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"Uwe geht zu Fuß"
- Technik
Ausrüstung und
Format
Kamera: Sony PMW-EX 1
35-mm-Adapter: Letus extreme, Letus Rod-Support
Objektive (ausschließlich Festbrennweiten): Nikon Ai 27mm,
50mm, 85mm, 135mm
Aufnahmeformat: HD 720/50p
Ton: Funkstrecke mit Sennheiser MKH 418 P, Sennheiser
MKE 2-EW Gold, Sennheiser MD 46
Licht: Fast ausschließlich "available light",
ansonsten Sachtler Reporterkoffer
Schnittsystem: Sony Vegas Pro 8
Farbkorrektur: Magic Bullet Looks
Technik
Das Aufnahmeformat war HD 720/50p. Das entspricht einer Zeilenauflösung
von 1280 mal 720 Pixeln bei 50 Vollbildern die Sekunde, die auch
bei schnellen Bewegungen ein flüssiges Bild und auf der großen
Kinoleinwand eine sehr gute Abbildungsqualität liefert.
Eine weitere Besonderheit ist die Verwendung eines 35 mm-Adapters,
der allerdings besondere Aufmerksamkeit fordert. Im Gegenzug erhält
man Bilder mit Wow-Effekt, die in mancher Hinsicht der Anmutung
analogen Films nahe kommen. Natürlich ist auch weiterhin die
geringe Kontrastweite von Video zu berücksichtigen, aber wir
konnten mit verschiedenen Schärfeebenen spielen, die der menschlichen
Sehgewohnheit sehr viel näher kommen als das meist in allen
Ebenen scharfe Videobild, das die Konzentration auf den wesentlichen
Bildinhalt erschwert. Normalerweise arbeiten wir mit diesem System
im größeren Team: Mindestens Regisseur/Autor, Kameramann,
Focuspuller (Schärfe) und Tonassistent sind am Set. Bei szenischen
Drehs natürlich mehr. Bei dieser Produktion waren wir manchmal
zu zweit, oft war ich allein.
Neben dem geringen Schärfetiefenbereich von oft nur wenigen
Zentimetern ist der geringe Belichtungsspielraum in der Arbeit mit
dem Adapter besonders problematisch. Die Kamerablende darf höchstens
bis Blende 4 bzw. 5,4 geschlossen werden, da im weiteren Bereich
die Körnung der Mattscheibe sichtbar wird. Die Lichtverstärkung
(Gain) der Kamera kann aus gleichem Grund überhaupt nicht genutzt
werden. Zum Ausgleich des geringen Belichtungsspielraums stehen
nur in begrenztem Masse Shutter und ND-Filter zur Verfügung.
Jede Automatik ist unbrauchbar, so dass die Kamera grundsätzlich
in allen Funktionen manuell bedient werden muss und das mit minimaler
Fehlertoleranz.
Während der Dreharbeiten zu einer Dokumentation, in denen oft
schnelle Reaktion gefragt ist, muss das System im Traum bedient
werden können. Fehler passieren trotzdem.

Aufbau der Sony PMW-EX 1 mit 35 mm-Adapter
Protagonist und Technik
Uwe hat viele Charkterzüge, eine ist: Er ist
vollkommen unverstellt. Meint aber auch: Wenn er nicht will, will
er nicht. Und schon gar nicht noch mal. Eine Einstellung ein zweites
Mal drehen? Wer Uwe und mich dabei beobachtet hat, wird von äußerst
unterhaltsamen Streitigkeiten erzählen können. Ihn beim
Zähneputzen zu filmen, wenn er nicht Zähne putzen will
oder beim Frühstück, wenn er keinen Hunger hat, ist nur
als Abenteuer zu bezeichnen. Währenddessen schweißtreibend,
im Rückblick liebenswert.
Wir sind über die Dreharbeiten immer weiter zusammengewachsen.
Und ich kann sagen: Ich liebe ihn für seine Kauzigkeit. Uwe
ist unverstellt, unbestechlich und eine große Herausforderung.
Weiteren Aufgaben im Dokumentarfilm sehe ich jetzt, bedingt durch
die besondere Schulung, gelassen entgegen.

Schnitt
Es gibt Entscheidungen, die früh gefallen sind. Eine davon:
Auf jeden Off-Kommentar zu verzichten. Einerseits erhöht diese
Entscheidung den Anspruch und Zeitaufwand im Schnitt erheblich,
denn es stehen nur Bilder und O-Töne zur Verfügung, um
Geschichte und Dramaturgiezu verbinden. Andererseits werden dem
Zuschauer alle Freiheiten gelassen, eigene Bilder und Gedanken zu
finden. Das Ziel: Der Zuschauer bildet selbst seinen eigenen Subtext,
der Film läuft nach dem Abspann im Betrachter weiter, Fragen
bleiben offen.
Es gab nie ein schriftlich fixiertes Drehbuch, nur eines im Kopf,
das sich ständig veränderte.
In der ersten Schnittversion hatte der Film noch eine Länge
von 95 Minuten. Das erste Screening, das im kleinen Kreis vor Zuschauern
stattfand, die keine Verbindung zu Ort und Geschichte des Films
hatten, führte zu Diskussionen über Längen in Szenen,
die vom Thema ablenkten und in Folge zu einer zweiten finalen Schnittversion
mit einer Länge von 79 Minuten.
Einige entfernte Szenen wanderten als Extras auf die DVD.
Ein zweites Screening vor prominentem Publikum (Sozialministerin,
Staatssekretär, Mitarbeiter des Sozialministeriums und Vertreter
der Lebenshilfe) verlief in jeder Hinsicht erfolgreich.
Stimmen dazu finden Sie hier.

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