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Film / Uwe Pelzel / Geschichte
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Ein Film über
Randgruppen und einen, der sie verbindet.
"Uwe geht zu Fuß"
Dokumentarfilm D 2009, 79 Min.
In einer Zeit, in der Menschen, die nicht
der Normvorstellung unserer Gesellschaft entsprechen, schon lange
in spezialisierte Einrichtungen ausgegliedert werden, kommt ein
Film, der zeigt, was uns verloren geht.
“Uwe geht zu Fuß” ist laut Regisseur
Florian von Westerholt ein “Low budget, big heart”-Film:
„Dat is uns Uwe“ heißt es in Heikendorf, einer
8000-Seelen Gemeinde an der Kieler Förde. Uwe Pelzel, Jahrgang
1943, gehört zu den ältesten Menschen mit Down-Syndrom
in Deutschland. .Der Film zeigt nicht nur seinen besonderen Lebensweg,
sondern auch den selbstverständlichen Umgang seiner Gemeinde,
die mit ihren gewachsenen Strukturen den politischen Begriff „Inklusion“
weder kennt noch braucht. Uwe ist heute noch 1. Betreuer des Fussballvereins,
Löffelträger der Heikendorfer Knochenbruchgilde, war Namensgeber
des legendären Uwe-Pelzel-Tenniscups, Dirigent der Show-Brass
Band, Mitglied der Theatergruppe und einst einer der begehrtesten
Tanzpartner weit und breit. Zu seinem 50. und 60. Geburtstag wurden
Feste gefeiert, von denen man heute noch spricht.
Florian von Westerholt zeigt Uwe Pelzel und seine Gemeinde in einem
Film mit einzigartigen Bildern und Geschichten, die Freude und Hoffnung
machen. Sie offenbaren ganz nebenbei, wie wichtig die Vielschichtigkeit
unserer Gesellschaft und unsere traditionellen, sozialen Strukturen
für unsere Gegenwart und Zukunft sind.
Ein Film über das Glück.
Berührend, witzig, unterhaltsam und immer wieder überraschend.
(Seitenanfang)

Uwe Pelzel
Uwe Pelzel wurde am 14.Juni 1943 in Heikendorf bei Kiel geboren.
Er besuchte nie eine Schule oder eine Einrichtung für Menschen
mit Behinderung, kann weder lesen noch schreiben, arbeitete aber
regelmäßig, unter anderem bei einem Tischler, der Gemeinde,
als Zeitungsausträger und 10 Jahre lang beim örtlichen
Bierverlag Deppe als Hilfe bei der Auslieferung von Getränken.
Bei einem Autounfall zog er sich als Beifahrer einen Hüftschaden
zu, der heute noch seine Beweglichkeit einschränkt.
Seit dem Tode seiner Eltern lebt er bei seiner Schwester Inge Stern
in Heikendorf.
Die Gemeinde Heikendorf liegt etwa 13 km entfernt von der Landeshauptstadt
Schleswig-Holsteins an der Kieler Förde.
(Seitenanfang)
Die Geschichte...
...ist lang. Schon 1994 hat Florian von Westerholt ein einstündiges
Hörfeature über Uwe Pelzel für den NDR produziert.
Seitdem war es nicht nur sein, sondern auch Uwe Pelzels Traum, einen
Film über dessen einzigartige Geschichte zu machen. Immer,
wenn er Florian begegnete, meinte er: "Westerholt, wann machen
wir den Film?" Die Umsetzung scheiterte zunächst an den
Bedenken in den Redaktionen verschiedener Sender. Quotenangst oder
fehlendes Interesse am Thema waren die Beweggründe. 2008 entschloß
sich der Regisseur, das Projekt auf eigenes Risiko zu realisieren.
Für Uwe ging ein Traum in Erfüllung. Wenn Presse, Rundfunk
oder Fernsehen kommen, die Scheinwerfer angehen, dann ist Uwe in
seinem Element.
Die Kinopremiere im Metro-Kino im Schlosshof Kiel war auch durch
ihn ein großartiges Erlebnis.
(Seitenanfang)

Die Arbeit
Über 8 Monate lang begleitete der Filmemacher seinen
Protagonisten Uwe Pelzel. Die Dreharbeiten gestalteten sich gelegentlich
schwierig, da Uwe zwar wunderbar unverstellt, aber auch wunderbar
launisch ist. Eine Einstellung ein zweites Mal zu drehen, war selten
möglich. Die besonderen Anforderungen, die
ein 35mm-Adapter an die Arbeit für einen Dokumentarfilm stellt,
verlangten Geduld von allen Beteiligten.Letztendlich taten sie der
Begeisterung für das Projekt keinen Abbruch. Im Gegenteil.
Das Ergebnis war rund 25 Stunden Rohmaterial, dazu unzählige
Archivaufnahmen in Form von Super 8-Aufnahmen, Dokumenten und Fotos.
Die Entscheidung, auf Off-Kommentar zu verzichten,die Dramaturgie
allein den Bildern und O-Tönen zu überlassen, um dem Publikum
den Freiraum für eigene Bilder und Gedanken zu lassen, war
eine leidenschaftliche Herausforderung beim Schnitt, der allein
4 Monate in Anspruch nahm.
(Seitenanfang)
Florian von Westerholt...
...ist 1961 in Bremen geboren, 1985 nach Kiel gezogen und lebt
seit einigen Jahren in Heikendorf an der Kieler Förde. Von
1992 bis 2004 war er Mitarbeiter des NDR. 2005 gründete er
die Produktionsfirma westerholt & gysenberg und ist seitdem
freischaffender Autor, Film- und Audioproduzent für verschiedene
öffentlich-rechtliche Sender und Unternehmen.
Er ist selbst mit einem Bruder mit Behinderung aufgewachsen, für
den er nach dem Tod seiner Eltern die Betreuung übernommen
hat.
(Seitenanfang)

Über
den Film
Dies ist ein Film über das Glück.
Tatsächlich wollte ich keinen Film machen, der die Beschwerlichkeiten
des Lebens mit einem Menschen mit Behinderung zeigt, denn Filme
mit dieser Thematik gibt es mehr als genug, meiner wäre damit
überflüssig.
Eine Dokumentation zeigt immer nur einen Teil der Wirklichkeit und
entscheidet sich für eine Perspektive. Meine Entscheidung war
klar: Ich wollte eine einzigartige Geschichte erzählen und
mich auf das Einzigartige dieser Geschichte konzentrieren.
Die Anstrengung, die Uwes Schwester Inge Stern aufbringen muss,
um Uwe dieses Leben zu ermöglichen, wird nur am Rande gestreift.
Man kann sie sehen, wenn man will. Allerdings trägt Inge ihre
Verantwortung mit einer solchen Selbstverständlichkeit und
Liebe zu ihrem Bruder, dass ein derartiger Blickwinkel auch eine
falsche Gewichtung im Film setzen würde. Inge Stern hat meinen
allergrößten Respekt. Sie hat die eher seltene Lebensauffassung,
sich selbst als Teil einer sozialen Gemeinschaft zu verstehen und
Verantwortung und Liebe nicht als Freiheitsberaubung, sondern als
persönlichen Gewinn zu begreifen. Ihr Vertrauen für dieses
Projekt zu haben, macht mich stolz.
Sie werden ein Panoptikum an Menschen erleben in diesem Film, eine
kunterbunte Gesellschaft, fast jeder gehört zu einer "Randgruppe",
der Trainer und einige Spieler sind Ausländer, viele sind leidenschaftliche
Mitglieder der fast ausgestorbenen Versicherungsgemeinschaft "Gilde",
viele sind alt, die Jungs in der Seebadeanstalt gehören offensichtlich
auch nicht zu den Leistungsträgern der Gesellschaft. Die Reihe
ließe sich beliebig fortsetzen. Alle geben sich die Hand,
wenn sie sich sehen, alle hält etwas zusammen, dieses Etwas,
das auch Uwe sein Leben in dieser Form ermöglicht hat.
Dieser Film ist ein Plädoyer für eine kunterbunte Gesellschaft.
Bei aller Begeisterung, die dieser Film bei vielen auslöst,
gibt es auch einige Stimmen, die ihn anzweifeln. Natürlich
kommt der Film auf den Seziertisch, wird von Fachleuten durchleuchtet.
Gelegentlich wird geäußert, Uwe werde von den Menschen
"von oben herab" behandelt. Ein Eindruck, der zeigt, wie
groß die Empfindlichkeit dem Thema gegenüber ist und
wie sehr wir es verlernt haben, mit Menschen, die anders sind, unverkrampft
umzugehen.
Indem mit großer Bedenklichkeit darauf geachtet wird, dass
vorgegebene Begriffe und Verhaltensweisen korrekt genutzt werden,
zieht das Leben und die Wirklichkeit ohne Veränderung vorbei.
In diesem Film wird gelacht. Viel gelacht.

Die Stimmen beleben die Diskussion und zeigen, wie dringend sie
geführt werden muss. Sie muss raus aus den Fachkreisen, hin
zur Wirklichkeit.
Dass dieser Film, wo er auftaucht, die Diskussion in Gang setzt,
zeigt, dass er richtig ist.
(Häufig gestellte Fragen zum Film werden vom Regisseur auch hier beantwortet)
(Florian von Westerholt)
(Seitenanfang)
Gefördert von der Filmwerkstatt
Kiel der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein.

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